Wie viele andere Kinder hatte auch Jessica Dames einen Mini-Schreibtisch. Bloß stand ihrer nicht im Spielzimmer, sondern in der Firma ihrer Mutter Meike, mit Papier, Stiften und einer Rechenmaschine darauf. Heute ist Jessica Dames' Schreibtisch größer, doch an seinem Standort hat sich nicht viel geändert. Die 27-jährige Juristin ist Prokuristin der Firma, die ihre Großmutter und Mutter zum Weltmarktführer in der Herstellung von Gemüsewasch- und Schälmaschinen für Großküchen gemacht haben.

Bereits in der dritten Generation ist Flottwerk in weiblicher Hand. Zum einen, weil in der Familie zuletzt nur Töchter geboren wurden, zum anderen, weil für die Dames-Damen beruflich nie etwas anderes infrage gekommen wäre, als in den Betrieb einzusteigen. "Hier zu arbeiten war schon immer mein Traum, die Firma ist genau mein Ding", sagt Jessica Dames, die sich im Studium auf Wirtschaftsrecht spezialisiert hatte.

Flottwerk wurde 1892 von Johann-Heinrich Wassermann gegründet, anfangs produzierte das Unternehmen Gitterroste und die ersten von Hand betriebenen Kartoffelschälmaschinen. Gut dreißig Jahre später stellte der älteste Sohn Wilhelm Wassermann die Maschinen auf elektrischen Betrieb um. 1954 übernahm Wilhelms Tochter Jutta das Unternehmen gemeinsam mit ihrem Ehemann Hans-Joachim Dames.

Die Seniorchefin bleibt aktiv

Dass deren Tochter Meike eines Tages die Firmenleitung antreten würde, stand von Anfang an fest. Deshalb machte sie nach der Schule eine Ausbildung zur Bankkauffrau. "Nach Ansicht meiner Eltern war das für eine Unternehmerin eine gute Basis", sagt sie. Schon während ihrer Ausbildung stieg sie ins Unternehmen ein und übernahm die Firma 2002 von ihrer Mutter. Ganz raus dem Geschäftsbetrieb ist die über 80-jährige Seniorchefin Jutta Dames aber bis heute nicht. Jeden Morgen ruft sie in der Firma an, um auf den aktuellen Stand gebracht zu werden. "Sie will einfach wissen, ob alles läuft, es uns, der Firma und auch allen Mitarbeitern gut geht", sagt die 48-jährige Meike Dames.

Flottwerk hat heute 30 Mitarbeiter und liefert Wasch- und Schälmaschinen für Obst und Gemüse in alle Welt. Die Exportquote liegt bei 80 Prozent. Auch für das Waschen von Salat und Muscheln hat Flottwerk die passenden Einsätze und selbst Fische lassen sich mit den Maschinen automatisch entschuppen.

Zu den Kunden gehören Krankenhäuser und Jugendherbergen, aber auch Kreuzfahrtschiffe und Mensen. Ein weiterer wichtiger Abnehmer ist die Lebensmittelindustrie. Für die Hersteller von Kartoffelchips hat Flottwerk Spezialanlagen entwickelt, die bis zu einer Tonne Kartoffeln pro Stunde waschen und schälen. Nebenbei entstehen auch weiterhin Gitterroste für Treppen, Brücken und Eisenbahnwaggons – ein zweites wichtiges Standbein für das Unternehmen.

"Zum Kistenpacken nicht zu schade"

Anders als ihr Vater ist Meike Dames' Ehemann nach der Hochzeit nicht in den Familienbetrieb eingestiegen. "Meine Eltern waren Tag und Nacht zusammen, es gab immer nur die Firma, nie ein anderes Thema, das wollte ich für mich auf keinen Fall." Und schließlich haben die Familienunternehmerinnen auch alleine, mit Ideen, Geschick und Engagement unterstrichen, dass es völlig egal ist, welches Geschlecht die Firmenleitung hat. Keine von ihnen weiß etwas von ernsthaften Problemen mit Mitarbeitern zu berichten. "Wenn es in der Produktion mal eng wird, packen wir mit an, und wir sind uns auch zum Kistenpacken nicht zu schade", sagt Jessica Dames.

"Natürlich wird Jessica hier als junge Frau auf die Probe gestellt, das habe ich ja selbst so erlebt", ergänzt ihre Mutter. "Aber wenn man Bodenhaftung behält, viel eigenes Wissen mitbringt und das Knowhow der Mitarbeiter respektiert, kommt man gut klar."

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